Heinz Pöschko

„Zwischenräume“

10. Juni – 22. Juli 2023

Ausstellungsdauer: 10. Juni – 22. Juli 2023

Eröffnung: Freitag, 9. Juni 2023 um 19 Uhr
Begrüßung: Kurator Klaus-Dieter Hartl
Einführung: Wenzel Mraček (Kunsthistoriker

„Meist erschließt eine Fotografie einen bestimmten Raum, hält ihn zu einem bestimmten Zeitpunkt fest und will etwas über seinen Zustand aussagen. Die Fotografie dokumentiert, beschreibt, hält fest, sagt, so oder so ähnlich ist es gewesen. Zwischen diesem dargestellten Raum und der aus ihm resultierenden Fotografie spannt sich aber eine Vielzahl von Möglichkeiten auf, die ich ausloten möchte – Möglichkeiten, die das Dokumentarische hinter sich lassen und das Bild vom Raum ablösen und unabhängig machen. Ich nähere mich der Wirklichkeit, indem ich sie sequenziere und diese Teile nebeneinander stelle. Da das aber nicht in einer kontinuierlichen Art geschieht, entstehen Lücken und Sprünge. So erzeuge ich einerseits Zwischenräume und fülle diese Zwischenräume aber gleichzeitig wieder aus. In meiner gesamten fotografischen Arbeit versuche ich, das Abbild des Raumes zurückzudrängen und das Bild vom Raum zu emanzipieren. Das Bild soll nicht mehr den Raum repräsentieren, sondern für sich stehen. Es soll eine Weiterentwicklung des aufgenommen Raumes sein und so einen eigenständigen Zwischenraum zwischen der Realität und unserer Wahrnehmung bilden.

In der Arbeit landstriche siedle ich diesen Zwischenraum im Übergang von einer stichprobenartig aufgenommenen Landschaftsaufnahme und einem korrespondierenden Bild einer Stichprobe dieser ursprünglichen Aufnahme an. In der Arbeit blaupause entsteht der Zwischenraum zwischen unserer kollektiven Wahrnehmung von Architektur und ihrrer verfälschten Wiedergabe. In den sogenannten rotogrammen und dem waldstreifen wird ein Gegenstand bzw. ein Raum in Sprüngen dargestellt. Diese Sprünge rufen Leerstellen hervor – Zwischenräume, die der Betrachter erst auffüllen muss. In den bodenproben werden nur bestimmte Stellen innerhalb eines engen Rasters dargestellt, sodass Leerstellen entstehen. In der Arbeit kulturen werden die Teile eines Ganzen isoliert und in Glasschalen abgesondert. In der Arbeit präparate geht es um die partiellen Aufnahmen von zusammenhängenden Teilen einer Pflanze, die erst beim Betrachten ein Ganzes ergeben und so in einem Zwischenraum zwischen Gegenstand und Wahrnehmung angesiedelt sind. Schließlich werden in der Arbeit aqua die Aggregatzustände von Wasser isoliert und in ausschnitthaften abstrahierenden Sprüngen dargestellt und somit ein Zwischenraum zwischen Wirklichkeit und Abbildung eingefügt.“ (Heinz Pöschko, 2023,Graz)

Heinz Pöschko entwickelt Strategien zur Transformation und Neuinterpretation von Bildinhalten unter Einbeziehung von naturwissenschaftlichen Arbeitsweisen und Formen der Archivierung in die Bildproduktion. Inhaltliche Schwerpunkte sind die Architektur, die durch den menschlichen Einfluss gestaltete Landschaft und die wissenschaftlich geprägte Darstellung von Natur mit betont medienreflektorischen Ansätzen. In der Galerie Marenzi werden Werke zu verschiedenen Arbeitsschwerpunkten gezeigt.

1957 geboren in Graz, lebt und arbeitet in Graz, Landesförderungspreis des Landes Steiermark für Fotografie 1992 (3.) und 93 (1.), Österrr. Staatsstipendium für Fotografie 1993,
www.heinz-poeschko.at